Vermieten? Kaufen? Verkaufen!

Zwei Wochen später. Der Staub setzt sich langsam. Jetzt wissen es alle: Die Vier hauen ab. So fühlt es sich grad an. Scary. Aber scary gut. Ich weiß nicht, wie viele Tage auf meinem Umzugsplaner sind, aber es sind zu wenige. Aaaah *haarerauf* Und was machen wir bloß mit unserem ganzen Krempel? Und mit unserer Wohnung?

Wer mehr als ein Zimmer und mehr als ein Kasterl hat, der kennt das. Ich brauch euch gar nix erzählen: Wir haben so viel Zeug. Es ist der Wahnsinn. Wenn ich eine Schranktür aufmache, dann tun sich da Unweiten auf: Wo waren diese Handschuhe, als wir sie im letzten Winter gesucht haben? Ah, da haben sich die auf Vorrat gekauften Shampoo-, Duschgel-, Babyölflaschen versteckt. Und wozu haben wir bitte drei verschiedene Hornhautschrubbeldinger?!

Ein Jammer. Wenn ich an das Geld denke, dass da materialisiert in Papierstapeln, Plastikflaschen, Gewandfetzen vor sich hin vegetiert, dann wird mir schlecht. Also höre ich gleich mal damit auf. Sonst muss ich zum Arzt und komme wieder nicht dazu, das nächste Kastl auszuräumen.

Tief durchatmen. Ommmm. Es ist alles nicht so schlimm. Wenigstens dämmert es jetzt langsam, dass das mit dem Konsumwahnsinn der letzten Jahre wirklich keine besonders nachhaltige Idee war. Meine CD-Sammlung (die fairerweise aber abrupt im Jahre 2011 aufhört, dem Jahr als ihr-wisst-schon-wer sich zur Familie gesellt hat). Unser überquellender Bücherkasten. Dreißig Nagellackfläschchen, von dem ich eines wirklich benutze. Strumpfhosen, die ich beim letzten Umzug einsortiert habe um sie bis dato nicht mehr anzuziehen.

Aber ich soll ja nicht die erste sein, die im Anblick eines solchen Besitz-Anhäufungs-Haufen, Panik bekommt, und am liebsten die MA48 rufen möchte, um ratzfatz alles raus zu machen.

Hm, also. Was tun? Genau. Erst mal ein schlaues Buch lesen 🙂 (weil für so was hab ich ja massenhaft Zeit, gell?). Bei meinen ersten Recherchen zum Thema „Wie übersiedelt man seine Familie möglichst stress- und chaosfrei?“ bin ich über ein paar großartige Blogs zum Thema Minimalismus gestoßen. Also nicht jetzt unbedingt die Kategorie „Leben wie in der Elle Home“ mit fancy, weisslackierten Designerdingern, die dann laut „leer!“ rufen. Sondern eher für so Menschen wie wir, aus dem Leben gegriffen, irgendwo zwischen IKEA-Fuzzi, Second-Hand, ein bisserl Selbermacher und ganz viel Kinderklumpert dazwischen 🙂

Gelandet bin ich bei „The Joy of Less“ von Francine Jay. Ich bin bei Seite 17 (von 289) auf meinem kindle (ha, ein Buch weniger im Regal!) und wir haben mal über das Thema „Weniger Zeug“ philosophiert. Find ich gut 🙂 Keine Arbeitsanweisung, kein „Beantworte dir jetzt mal die nächsten fünf Fragen und nimm einen Zettel zur Hand und wenn du keinen hast, dann wirst du wohl über die nächste Seite nicht hinauskommen“. Mal schauen, wie es weiter geht. Vielleicht wird aus mir wirklich noch mal eine luftig, leichte Wenig-Frau. Wenig haben. Dafür umso mehr tun.

So, aber ich drifte schon wieder ab. Wir waren beim Kaufen. Und Verkaufen. Oder Vermieten. Nämlich unserer Wohnung. Nach langem und ernüchterndem Grübeln, haben wir uns ein Herz gefasst und verkaufen nun auch unsere Wohnung. Ein riesiger Schritt, aber für uns gerade irgendwie auch ein guter. Es fühlt sich richtig an. Sich ordentlich von dem Ort zu verabschieden, der für die letzten Jahre unsere Familie gehalten hat. Wo Kinderfüße gehen gelernt haben. Wo gekocht, gelacht, gesungen, getanzt, gefeiert wurde. Wo die Bleistiftstriche am Durchgang zur Küche zeigen, wie klein unsere Mädels waren und was für Riesen uns da entgegenwachsen. Wo unser Kater im Sommer am offenen Fenster den Eichkatzerln draussen in den Bäumen nachjagt. Diese vier Wände verdienen es, mit neuen Menschen, neuem Lachen, neuen Geschichten gefüllt zu werden. Wir geben sie frei, halten nicht daran fest.

Ich hoffe, es gelingt mir so auch mit mindestens 20 Paar Schuhen, 29 Nagellackfläschchen, der Hälfte meiner Bücher und einigem anderem Zeug. Denn nur weil diese Dinge nicht mehr in meinem Leben sein werden, heisst es nicht, dass ich sie vergesse. Ich werde dadurch kein andere Mensch. Ich mache Platz. Für Luft. Für mehr Raum. Für Zeit. Für Erlebnisse. Für all das, was uns sonst so schwer macht und am Boden hält. Denn jetzt ist es Zeit zu Fliegen.

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