Testflug // How does it feel?

Das Handgepäck wartet schon an der Tür. Im Morgengrauen geht es los: Das Kennenlernen mit Den Haag. Weil einmal sollte frau ja dort gewesen sein, bevor sie ihre Familie dorthin übersiedelt. Oder? Andererseits: Jetzt ist es eh schon zu spät.

Die große Tochter, fünfeinhalb, kündigt die Abreise der Eltern auf ihre eigene Art an: Bauchweh beim Abendessen. Manche bekommen Fieber. Ich bekomme Kopfweh. Sie krümmt sich zu einem kleinen Mäuschen, das im Bett unter die Decke und eigentlich am liebsten in Papas warme Umarmung kriechen will. Vielleicht ist es auch nur Zufall. Aber ich kenne sie nun schon fünfeinhalb Jahre. Und das ist ihre Art zu sagen, dass ihr etwas nahe geht.

Und dass es ihr nahe geht, das geht auch mir nahe. Es wird mich morgen auf dem Weg zum Flughafen beschäftigen. Und auch während der nächsten Tage, wenn wir von einer zur nächsten Besichtigung eilen, einen Spaziergang am Strand machen oder die Schule besuchen, in die unsere Kinder gehen werden. Aber ich weiß: Es wird besser. Wenn morgen Früh die Großeltern mit Frühstückskipferl und Entertainmentprogramm aufwarten. Wenn ich in der neuen Stadt unseres Vertrauens ein Café entdecke, in das ich sie beim ersten Besuch ausführen werden. Wenn ich auf dem Schulhof stehe und die wuseligen Kinder um mich wahrnehme und dort plötzlich ihr Gesicht entdecke.

Ich weiß, du hast manchmal Angst. Vor allem dann, wenn Papa oder Mama nicht da sind. Oder vielleicht sogar beide. Aber das ist in Ordnung. Angst ist etwas ganz normales. Aber du sollst wissen: Du bist nie allein. Wenn uns etwas nicht nahe gehen würde, dann wären wir ein Stein ohne Gefühle und dann bräuchten wir uns gar nicht überlegen, ob wir in eine andere Stadt ziehen sollen. Denn ehrlich, ein Stein? Ist das gleiche hier in Hietzing wie an der Nordsee. Ein Stein.

Wie fühlt sich das also an? Zu wissen, dass man in drei, nein eigentlich sogar bald nur mehr zwei, Monaten an einem anderen Küchentisch sitzt? Eine andere Straßenbahn zur Arbeit nimmt oder sogar nur mehr mit dem Rad fährt? Wenn die Menschen im Supermarkt ein fremdes Singsang sprechen? Der Wind anders pfeift? Die Luft anders riecht?

Es ist aufregend. Für uns Erwachsene. Und verdammt nochmal mehr für Kinder. Manchmal mulmig. 

Später als du schon schläfst, gehe ich noch mal in dein Zimmer und lege mich zu dir. Halte dir die Hamd auf den Bauch. Alles ist gut.

Die Neugier, die haben alle Kinder. Manche brauchen mehr Routine. Manche gehen auch mit Abwechslung gut um. Trauen wir uns zu, sie mit zu nehmen auf die Reise. Ihnen zu zeigen, dass es im Leben noch mehr gibt als diese vier Wände.

Wir gehen für euch ein Stück voraus. Und wenn die Luft rein ist, dann nehmen wir euch an der Hand, laufen runter zum Strand und stellen uns mit euch ganz vorne hin, da wo die Wellen hereinbrechen. Schmecken gemeinsam das Salz im Gesicht. Und das Kribbeln im Bauch. Genau so fühlt sich das an.

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