Welkom thuis // Willkommen zu Hause

Unser Besuchswochenende in Den Haag liegt hinter uns. Zurück zu Hause. Also da, wo es jetz noch ist. Müde, erschöpft, aber mit einigen Hakerln auf unserer langen Liste. Kopf und Bauch gefüllt mit Straßennamen, Eindrücken, sea food und viel viel Kaffee.

Auf dem Flug zurück von Den Haag nach Wien möchte ich eigentlich diese Zeilen fertig haben. Denn ich weiß, morgen komme ich schon wieder nicht dazu und übermorgen, da ist Geburtstag und danach, liegen die Sachen wieder herum und auf die Post-It To-Do Liste kommt wieder eine neue …

Also. Jetzt oder nie. Aber dann bleibe ich hängen im Gespräch mit meinen Sitznachbarn, einem entzückenden jungen Paar (ha, ha, sie sind grad mal in ihren Mitzwangigern), zu zweit mit dem Rucksack auf dem Weg nach Thailand. Sie freuen sich aufs Wetter. Ha! Ja, was soll ich da sagen?

Also, wieder nichts mit dem Artikel. Sapperlott. Morgen …

—–

Als wir im Sinkflug auf Amsterdam Schiphol sind, fliegen wir über die weiten Felder entlang der niederländischen Küste. Es hat geregnet, die Sonne steht noch morgendlich tief über dem Horizont und ein vielversprechendes, goldrosa Licht spiegelt sich mit den Wolken in den Wasserflächen unter uns: Kanäle, Seen, Teiche, Flüsse. Alles glitzert, dazwischen saftiges Grün (Anfang November). Mein Blick schweift über die Weite, ein paar Windräder kilometerweit zu erspähen. Mein Herz geht auf, atmet tief ein. Es fühlt sich an wie zu Hause.

Eine flotte Zugfahrt weiter (so viele Termine, so wenig Zeit) und wir stranden mitten in Den Haag. Ankommen. Zu Hause. So sieht es also aus. Kurze Verschnaufpause. Und der erste Kaffee.

Wolkenkratzer, Regenlacken, Sonnenstrahlen, Wind von der Küste, Möwenkreischen, Fahrradklingeln, ein melodisches Sprachengewirr auf der Straße und an der Kassa. Alles da. Und was fehlt? Autohupen; lange Pendlerkollonen, die sich durch die Stadt wälzen. 
An einer großen, befahrenen Straße halten gerade circa 20 Radfahrer an der Ampel. Rush Hour. Nichts im Vergleich zu Amsterdam oder Kopenhagen. Aber ja. Hier wird gefietst. Man fährt Rad. Ohne Helm. Ohne Pudelmütze. Manchmal auch ohne Sitz (am Gepäckträger der großen Schwester). Es geht schnell und unkompliziert. 

Wie leise sich die Stadt anfühlt. Dafür hängt der Himmel voller grauer Wolken. Sie verschieben sich im 10-Minuten-Takt. Am ersten Tag schon lade ich mir den Buienradar auf mein Handy. Die App zeigt, wann es wo wie lange regnen wird. Und das mit einer ziemlich genauen Sicherheit. Die Niederländer schwören drauf. Der Mann meiner Freundin hat sich einen Sport daraus gemacht, Wetter-Apps zu testen. Es gibt immer neue auf dem Markt, die andere Features mitbringen. Aber der Buienradar scheint der Duden unter den Regen-Apps zu sein.

Bis also der nächste Schauer kommt, spazieren wir durch die Stadt. Die einzigen übrigens mit Hauben. Weil Hauben setzt man erst im Winter auf, wenn es wirklich kalt ist. Auch die Allerkleinsten im Buggy oder auf dem Kindersitz lassen ihre Kinderlocken im Wind wehen. Stärkt wohl das Immunsystem.

Auf unserer Liste stehen groß: Wohnung und Schule suchen (oder eher finden). Und am Ende unserer drei Tage sieht es auch so aus, als wären wir erfolgreich gewesen. Wir haben in kürzester Zeit so viele Leute (wieder) getroffen, kennengelernt, uns geöffnet, Löcher in den Bauch gefragt. Aber wenn wir hier zu Hause sein wollen, dann ist das der einzige Weg: Diesen Ort und diese Menschen uns vertraut machen.

Auf der Straße, im Supermarkt, in der Kinderspielabteilung findet man eine europäische Sprachenmelange … Spanisch, Niederländisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch, Portugiesisch, Rumänisch. Unsere Kinder werden nicht bilingual sondern europäisch aufwachsen. Es scheint, als wäre dies hier wirklich der Ort, an dem es möglich ist, die europäische Idee nicht nur zu spinnen sondern auch zu leben.

Wir sind gehetzt und geschlendert. Haben den kürzesten Weg zur Straßenbahn gesucht. Den Bus entdeckt. Haben uns Zeit gelassen. Benzinpreise verglichen. Im Bioladen geschnuppert, wie das Brot riecht, welches Gemüse da lockt. In der Buchhandlung gestöbert, den Spielplatz analysiert. Kinder auf Fahrrädern, Kinder auf Gepäckträgern, Surfbretter unterm Arm, Bügelbretter unterm Arm. Vespas auf dem Radweg. Einen Sonntagsspaziergang am Strand gemacht. All die Dinge, die wir zu Hause auch machen würden. Es hat sich nicht wie Urlaub oder ein Städtetrip angefühlt. Es war auch keiner. Wir sind am Friedenspalast vorbeigefahren, aber wer das drin wohnt, war gar nicht so wichtig. 

Drei Tage, die sich anfühlen wie drei Wochen. Wir haben kaum mit den Kindern telefoniert, erst am Nachmittag vor dem Rückflug. Und als die Dreijährige meine Stimme hört, beginnt sie plötzlich zu weinen. Da ist es. Das was ich vermisst habe. Unsere Familie. Wir sind nur halb. Ich möchte sie am liebsten jetzt gleich drücken. Und ihr alles erzählen. Von den Kühen am Spielplatz. Den Hunden am Strand. Dem Pfannkuchenhaus und dem Wald. Von unserem neuen Zuhause.


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