Ferien vom Umzug und der Blues 

Nach den Ferien ist vor dem Umzug. Und dazwischen irgendwo liegt der Blues. Wie das?

So. Weihnachten ist vorbei, Neujahr auch. Wir haben die letzten zehn Tage im burgenländischen Exil verbracht. Jetzt heißt es zurück nach Wien und die letzten Vorbereitungen treffen, bevor der Gatte in exakt sechs Tagen abreist.

Komischerweise stellt sich erst heute der Blues ein, der mich sonst schon am Neujahrstag erwischt. Liegt wahrscheinlich daran, dass wir heuer extrem gechillt auf der sehr kuschelig warmen Couch meiner Cousine, mit tiefschlafgesegneten Kindern im Nebenraum, ohne Böller, ohne Halligalli ins neue Jahr gerutscht sind. Zu Mitternacht haben wir das Fenster kurz aufgemacht, jeder hat den Kopf rausgehalten und ein bisserl Feuerwerk geschaut. Danach Anstoßen mit Uhu-Frizzante. Und um halb eins war ich im Bett. So kann’s auch gehen. Leiwand.

Gestern war ich sogar hochmotiviert, Neujahrskonzert migefiebert, auf dem zugefrorenen Biotop mit den Kids herumgerutscht und auf die Matte habe ich es auch geschafft.

Und heute? Sind wir in Wien gelandet und die Realität holt mich ein. Normalerweise freue ich mich ja nach so einer Zeitspanne auf zu Hause. Aber auf was soll ich mich denn freuen? Den fehlenden Küchentisch? Die letzten Kisten, die noch gepackt werden wollen? Die Wäsche, die ich jetzt nicht mehr waschen kann? Keine Couch zum Knotzen, kein Kater zum Kuscheln, der Vorratsschrank ist noch immer voll mit exotischen Lebensmitteln (drei verschiedene Sorten Linsen, fünf Packungen Asianudeln, die keiner essen mag). Die Restln, die die Einpack-Euphorie irgendwo am Boden neben dem Lurch vergessen hat. 

Auf mich sehnlichst warten auch noch Behördengänge, E-Mails mit Adressänderungen, Notarsbesuche, Speditionstelefonate. Der besonders öde und unspektakuläre Teil eines solchen Auslandsabenteuer. 

Und ja, vielleicht mischt sich nun auch – nachdem wochenlang keine Zeit und kein Platz war – der Wehmut ein. Die Erkenntnis, dass es jetzt wirklich passiert und dass ich all‘ die Dinge, die ich vielleicht noch machen wollte, nicht mehr unterbringen werde. Weil ich auch gar nicht wusste, was ich plötzlich nochmal alles machen möchte. Wie wenig Zeit mir mit den Menschen noch bleibt, die mir und uns nahe stehen und die wir dann erst richtig vermissen werden, wenn wir zu viert auf uns alleine gestellt unser neues Lebenskapitel beginnen.

Wir kennen den Tag des Abschieds und doch, so scheint es, wollen wir nicht daran denken. Zumindest die Erwachsenen nicht. Die Kinder sind wie immer viel entspannter. Ihnen fehlt auch noch die Erfahrung und das Bewusstsein, was das alles bedeutet. Das ist sicher gut so und macht es für sie leichter. Die Kleine fragt jeden Tag, wie oft sie denn noch schlafen muss, bis wir endlich nach Den Haag ziehen. 

I sog’s eich: Heut würde ich einfach gern im Bett liegen bleiben und alles sein lassen. Decke über den Kopf und blau machen. Oide Hodan hean. Schlafen. Den Neujahrskater nachholen. Und das mach ich auch. Morgen schaut’s schon wieder anders aus.

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