Het is lente!

Die Krokusferien sind vorbei und jetzt sieht es auch wirklich so aus: Der Frühling ist endlich da! Hart verdient nach der Sauren-Gurken-Zeit im Februar. Der Lenz ruft nach uns in Den Haag.

Okay, ich sag’s euch ganz ungeschminkt (so, wie ich an sechseinhalb von sieben Wochentagen aus dem Haus gehe): Es war nicht lustig. Der ganze Februar eigentlich nicht. Lass‘ mich noch mal nachdenken? Nö. Nee. Nada. Not funny.

Die Sache mit der BSN Nummer hat sich hingezogen, dann hatte ich sie, aber so wie sie war war sie dann doch noch unbrauchbar. Dann war ganz plötzlich unser Internet zu Hause futsch (und was das heißt, wenn die Kinder von Amazon Prime und YouTube leben, könnt ihr euch denken) und noch so ein paar spezielle Geschichten sind passiert. Wind, Wetter, Regen, Code Orange, ein fieser Sturz mit dem bakfiets, drei Wochen Dauerhustenundschnupfen aufgeteilt zwischen dem einen Kind und mir selbst. Alles was schief gehen kann, you name it, we got it.

Du musst erst tief fallen …

Mein absoluter Höhentiefpunkt war, als ich mit einem schlafenden Kind im bakfiets Freitag Mittags am Arbeitsamt ankomme mit all meinen Dokumenten (eh nur Geburtsurkunde, Staatsbürgerschaftsnachweis und so) in meinem Rucksack und auch einer Wasserflasche, die natürlich ausgeronnen ist. Der Security am Eingang hat meinen drohenden Nervenzusammenbruch wohl erkannt und mich mit leiser Stimme versucht zu den Heizkörpern zu dirigieren, wo ich dann eine halbe Stunde lang zwischen Heul- und Lachkrämpfen versucht habe, mein Niederländischbuch und jeden Zettel, der jemals irgendetwas Wichtiges über mich aussagen wollte (sic!), vor dem totalen Wasserschaden zu retten. Schiffbrüchig im Land des trockengelegten Meeres. Absurd.

Apropos Wasser: Das ist letzte Woche dann noch von unseren Vorzimmerwänden geronnen, aber die Sache war vergleichsweise rasch geklärt und wir sitzen wieder im Trockenen. 

… um zu erkennen dass es noch tiefer geht

Unsere Vermieterin, die mir auf WhatsApp immer wunderschön sonnige Bilder aus ihrem derzeitigen Domizil Melbourne schickt, meinte salopp: „Oh ja, ich hab‘ vergessen dir zu erzählen, dass der Februar immer so furchbar trist ist!“ Hm, ja, vielleicht war das auch besser so. Ich hatte nicht mal Lust, zum Strand zu gehen, auf der Promenade zu spazieren. Gegen den Wind und den Regen, den Sprühregen, der aus allen Richtungen kommt. Wie zum Teufel ist das überhaupt möglich?

Aber was mich dann immer wieder auf den Boden holt ist der Gedanke daran, dass es noch viel schlimmer sein könnte. Dass das alles Sudern auf sehr hohem Niveau ist. Wir sind alle wieder gesund und ja, das Wetter ist teilweise sehr gewöhnungsbedürftig (der Wind, der Wind!). Und wenn auch die letzten Formalitäten mit gemeente und UWV und all den anderen Stellen geklärt sind, die irgendwas von uns wollen, dann sind wir hier und können uns frei bewegen und den Dingen nachgehen, die wir zu Hause auch machen würden und auch noch viel mehr. Kein Krankenhaus, kein Asylverfahren, keine Drogenberatungsstelle. Also.

Raus aus dem Loch

In der ersten Märzwoche durften die Kinder ihre erste verdiente Pause vom (noch nicht sehr alten) Schul-und-Kindergarten-Alltag nehmen. In den Niederlanden gibt es keine Semesterferien Anfang Februar, dafür die sogenannten krokusvakantie. Benannt wohl nach den Frühlingsblumen, die heuer allerdings erst ein paar Tage nach den Ferien ihre weißen und lila Blütenköpfe in den Parks und den Blumenbeeten entlang der Alleen zeigten. Die Ferien waren noch alles andere als frühlingshaft. Verregnet, kühl und für alle, die in der Stadt blieben, auch etwas grau und still. Die meisten sind nach Österreich oder Deutschland zum Skifahren davon oder weiter in den Süden zum Sonnetanken. Ich dachte nicht, dass wir schon Heimaturlaub brauchen/wollen würden, aber irgendwie schienen wir die einzigen zu sein, die hier bleiben. Zumindest für einen Teil der Ferien. Hat aber den Mädels sehr gut getan. Sie konnten endlich mal ausschlafen und einfach zu Hause spielen (!), ohne irgendwohin zu gondeln. Und auch für mich war es ganz entspannend, mal keine x Kilometer als Kinderfahrradtaxi durch die Stadt zu fahren. 

Wir haben es uns also gemütlich gemacht mit Ferienprogramm light, ein bisschen Kindertheater, Mittagessen auswärts, abhängen bei paagman (Pendant zu Thalia in Österreich) und doch auch noch einem kleinen Trip nach Leeds zu Freunden auf Besuch. Nach der Woche war ich wohl glücklicher über den Schulstart als die Kids. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche auf einem Fleck machen sich bemerkbar. Kreischend. Haare raufend. So lieb können sich nur Schwestern haben :p

Hallo Frühling!

Und als hätte er darauf gewartet, dass alle aus den Ferien zurückkommen, flattert dann doch wirklich der Frühling ins Haus. Plötzlich macht der Regen der Vortage Sinn und überall sprießen Krokus, Schneeglöckchen und Narzissen. Das Gras sieht satter und grüner aus und wenn die Sonne sich durch die Wolken kämpft, dampft es und warmer Harzduft liegt in der Luft. Die Sonnenbrille wandert als Standardausrüstung in die Handtasche, die Cafés sind draußen voll, Eisschlecker haben die Überzahl im Straßenbild. Bei 12 Grad Außentemperatur scheint es das normalste, kurzärmelig oder ohne Strümpfe auf den Spielplatz zu gehen. Von Haube oder Haltuch red‘ ich sowieso nicht mehr 😛 

Meine Kinder und ich bleiben (zumindest vorerst für diese unsere erste Saison hier) dabei die leicht zu erkennenden buitenlanders und sind noch immer nach kontinentaleuropäischen Frühjahrsmanier gekleidet. Eis gibt’s auch noch keines, was Sophia damit ausgleicht, dass sie ständig nur von Kuba spricht und dass sie so gerne wieder dorthin möchte, weil dort immer Sommer ist.

Macht die Seele frisch und … gesprächig

Doch auch ohne Erdbeereis lässt es sich draußen jetzt gut leben. Letzte Woche haben am Strand von Scheveningen die beach bars eröffnet und es sind einige davon. Wir werden wahrscheinlich den ganzen Sommer nicht alle abklappern können (vor allem dann nicht, wenn der Strand wirklich knackevoll ist). In der Schule erklärt mir ein Vater, dass Den Haag im Winter und im Sommer zwei komplett unterschiedliche Orte sind. Und das glaub ich ihm aufs Wort.

Plötzlich sind alle draußen, die Spielplätze gehen über, man sitzt auf einer Bank vor dem Haus, die Hauseinfahrt wird zum Hockeyplatz umfunktioniert, am Sonntag buddeln die Kinder am Strand im Sand.

Und da wo die Wochen davor so einsam erschienen, ist es plötzlich viel leichter mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich mit meinem Niederländischkurs begonnen habe. Aber egal ob in der Umkleidekabine der Tanzschule, im Yogastudio, beim Bäcker oder am Spielplatz: Auf einmal sind da überall Menschen, mit denen ich mich gerne unterhalte und die wohl auch nichts dagegen haben, ein wenig mit mir zu plaudern. Es beginnt wieder Spaß zu machen, das erste Tal der Frustration ist durchschritten. Ich freue mich über das Hoch solange es anhält. 



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Ein Gedanke zu “Het is lente!

  1. samybee schreibt:

    Oh – an die erste Zeit im anderen Land erinnere ich mich auch nur zu gut. Soviel noch zu erledigen, dabei auf die Kinder achten, und gar nicht viel Zeit, um mit den eigenen Gefühlen klar zu kommen, die irgendwo zwischen Euphorie und dem Rest hin und her schwanken. Wir haben jetzt das erste halbe Jahr rum ubd ich glaube langsam ganz leise sagen zu können, dass wir angekommen sind…

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