Das hamma uns verdient!

Unser Update aus Den Haag vor den wohlverdienten Sommerferien. Oder: Die große Wort- und Bilderwolke der letzten Wochen.

21 Uhr 21. Bin grad vom Abendessen im Hafen über den Strand nach Hause geradelt. Sitze jetzt vorm Haus auf unserer neuen Heurigenbank (Made in Austria :)), irgendwo fern hinter den Häusern färbt sich der Abendhimmel langsam rosa. Vor mir auf der Straße geht eine Möwe stolz spazieren, pickt auf den Pflastersteinen nach Brotkrümel. Ein ganz normaler Dienstagabend in Scheveningen.

Ich hatte keine Ahnung wie es wird wenn wir hier sind. Wir sind quasi ins Meer gesprungen ohne Neoprenanzug. Wir haben aus unserem Leben in Wien so gut wie alle unsere Sachen verkauft (bald auch das letzte, größte Teil). Das Loslassen, das Weggeben war leicht, es war ein Konzentrieren auf das Hier und Jetzt. Nicht zu weit vorraus planen, vorausdenken. Wenn du zum ersten Mal in ein anderes Land ziehst, dann musst du die Kontrolle los lassen. Wie bein Kinderkiregen. Sonst macht es dich verrückt.

Der Anfang war streckenweise hart. Als der graue Febraurschleier kam, gar nicht lustig. Fragt meinen Mann, ich hatte definitiv das erste Mal seit langem wieder eine Winterdepression. Ich habe meine Familie und meine Freunde mehr vermisst als ich es überhaupt in Worte hätte fassen können. Die Leute hier meinten, warte bis der Frühling kommt, der Sommer, alles wird besser. Du wirst die Stadt gar nicht wieder erkennen. Und ich dachte … ja ja. 

Aber nun ist es wirklich so. Heute ist der 4. Juli, irgendwo regnet heute Nacht bestimmt ein großes Feuerwerk vom Himmel , die Amis werden feiern. Die Niederländer auch. Der Kalender sagt es ist Sommer, die Tage dauern lang lang lang vor allem wenn Abends keine Wolken den Himmel verdecken. Wir sitzen um 22 Uhr noch vorm Haus und trinken ein Glas. Die Nachbarn in der Straße grillen abwechselnd am Gehsteig, wir wahrscheinlich auch bald.

Ich hatte wirlich keine Ahnung wie es sein würde. Und es hat mich viel Zeit gekostet, diesen Teil – dieses Nichtwissen – loszulassen. Die Kontrolle darüber was mit MIR passiert. Was ich arbeiten werde, ob, wie viel, wo, mit wem, in welcher Sprache. Ich hatte so viele Ideen und auch noch den ein oder anderen Bürokraten im Genick. Aber ab dem Tag, an dem sich das AMS nicht mehr um mich kümmern wollte, habe ich auch so viel Energie zurückgewonnen, die sich wie ein Wunder fortgesetzt und bis jetzt nur gutes gebracht hat.

So, aber jetzt mal Klartext. Was tut sich wirklich gerade bei uns?

Tot ziens, peuter!

Sophia verlebt ihre letzten Tage im peuterspeelzaal. Nach den Sommerferien ist sie auch ein Schulmädchen. Morgen ist Besuchstag in der Schule und sie kann es kaum erwarten auch endlich jeden Tag dorthin zu gehen wo schon ihre Schwester mit Papa in der Früh immer hinfährt. Sie kennt alle Lehrerinnen der Nursery, weiß wie die Nederlandse juf heisst. 

Heute hatte ich Abschlussgespräch mit einer der Betreuerinnen im peuter und gegen Ende konnte ich vor Heulen gar nicht mehr aufhören. Sophia ist slim und sie ist mehr als schulreif meinte sie. Die Sprache lernen, sich in der Gruppe zurechtfinden, mit anderen Kindern spielen, ihre eigenen Wünsche ausdrücken und auch Fragen stellen. Sie hat es alles drauf. Ich bin so glücklich für und mit ihr, dass sie so kurzer Zeit ihre eigene kleine Welt aufgebaut hat. 

Nach dem Gespräch durfte ich noch kurz im Morgenkreis mit dabei sitzen und jedes Mal wenn die Kinder einen Reim aufgesagt, die Wochentage oder Kinder abgezählt haben, hat sie sich zu mir umgedreht mit einem riesigen Grinser auf dem Gesicht. Ich konnte sehen wie glücklich es sie macht, Teil der Gruppe zu sein und so viel Neues zu können.

Ich werde den peuter bestimmt mehr vermissen als Sophia. Aber ich weiß, dass die lieben BetreuerInnen die allerbesten sind, die uns als Neulinge hier passieren konnten. Sie haben unserer Tochter das Vertrauen gegeben, am richtigen Ort zu sein, voll angenommen und als Teil einer Familie.

Over koetjes en kalfjes

Was ist noch passiert? Anfang Juni ist mein Niederländischkurs ins Finale gegangen. Und auch hier bin ich so glücklich, nach einem eher holprigen Beginn die coolste juf ever gefunden zu haben. Drei Mal die Woche in die Sprachschule fahren war schon ordentlich intensiv, aber es hat sich gelohnt. Und wenn ich jetzt mit den Nachbarn oder dem Spediteur am Telefon Niederländisch ratsche, dann kommt so gut wie kein Englisch mehr zurück. Jetzt heißt es dranbleiben!

Altijd bezig

Mit Ausblick auf eine tagsüber kinderfreie Zeit ab Herbst, formt sich auch langsam die Aussicht und Realität, wieder einen Job zu haben. Ab dem Zeitpunkt wo ich die Suche nach einer Festanstellung vorerst ad acta gelegt habe, haben sich plötzlich von so vielen Seiten Türen und Fenster geöffnet. 

Ein eigenes Business in den Niederlanden zu starten braucht weniger als 20 Minuten. Und somit bin ich ab Anfang Juni offiziell wieder Fotografin mit eigenem bedrijf. Die ersten Jobs sind schon im Kasten und die nächsten Projekte ab Herbst in der pipeline. Und auch die erste Steuererklärung habe ich schon auf Niederländisch eingereicht, tadaaa!

Im Sommer geht auch ein Projekt in die Testphase, von dem ich noch nicht zu viel verraten sollte. Sonst setze ich mich selbst zu sehr unter Druck 😀 Ich arbeite jedenfalls an einem Fotografie Workshop. Auf Niederländisch 😉 Also Daumendrücken, dass es klappt!

Und dann hat sich auch noch auf wundersame Weise ein Job als Stockfotografin aufgetan. Aber dazu ein anderes Mal mehr …

In Summe ist das ist alles ganz schön viel. Für uns alle. Aber es fühlt sich nach wie vor richtig und gut an. Herausfordernd? Ja. Jeden Tag. Aber ich bereue unsere Entscheidung, gemeinsam hierher zu ziehen keinen einzigen Tag.

Servus zomervakantie!

Das Wichtigste, was wir uns jetzt gönnen werden ist eine PAUSE und Urlaub. Denn ja, natürlich ist es anstrengend. Für uns alle, die Kleinen wie die Großen. Die letzten Wochen vor Schulende sind voll von Abschiedsfeiern, Ausflügen, Projektpräsentationen. Kein Wunder, dass die Kids auch einfach mal nur grantig sind und nicht mehr wollen. 

Und deswegen legen wir uns jetzt in den letzten Tagen noch mal richtig ins Zeug bevor es am Samstag ab nach Österreich geht. Wir freuen uns, wenn wir mit euch diesen Sommer einfach genießen und erleben dürfen. Ohne Hetzen. Ohne Wecker. Ohne Skype Zeitverzögerung. Mit Schnitzel. Freibad. Obst vom Biobauern. Kuhstall und Bauernhof. Haselnusseis vom Tichy. Geburtstagsfeiern. Pyjamaparty. Waldluft. Und ordentlich viel Muscheln und Sand im Gepäck.

Auf einen wunderschönen Sommer!

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